Hell Let Loose: Roadmap – drei neue Karten, drei sehr unterschiedliche Fronten
Die neue Hell Let Loose-Roadmap nimmt sich gleich mehrere große Baustellen vor: neue Karten, neue Inhalte, neue Systeme. Für viele ist aber die wichtigste Frage ganz simpel: Wo kämpfen wir als Nächstes?

Mit Juno Beach geht es an einen der bekanntesten Küstenabschnitte des Zweiten Weltkriegs. Lake Balaton (Plattensee) wirft uns in eine oft vergessene, aber extrem brutale Endphase des Krieges. Und mit den Seelower Höhen steht ein Schauplatz im Raum, der wie kaum ein anderer für „letzte Verteidigungslinie“ steht: das Tor nach Berlin.
Schauen wir uns die drei Karten und ihre historischen Hintergründe an und warum sie sich spielerisch so stark voneinander unterscheiden dürften.
Juno Beach: Kanadas blutiger Strand am D-Day
Juno Beach war am 6. Juni 1944 einer der fünf Landungsabschnitte der Alliierten in der Normandie. Während viele automatisch an „Omaha“ denken, war Juno der Bereich, in dem vor allem kanadische Truppen anlandeten: die 3. Kanadische Infanteriedivision, unterstützt von gepanzerten Einheiten.
Das Ziel war nicht „nur“ am Strand zu überleben. Juno sollte als Brückenkopf dienen, um sich ins Hinterland zu schieben, Ortschaften entlang der Küste zu sichern und den Anschluss an benachbarte Landungssektoren herzustellen. Die Realität war… erwartbar hässlich: starke Befestigungen, chaotische erste Wellen, schwierige See- und Tidebedingungen und ein Strand, der sich schnell mit Fahrzeugen und Material staute.
Was diesen Schauplatz historisch besonders macht
Juno steht für einen D-Day-Aspekt, der oft untergeht: Koordination unter maximalem Druck. Am Strand treffen Minen, Stacheldraht, Sperren, MG-Nester, Artillerie und enge Ausgänge aufeinander. Dahinter liegen Dörfer, Hecken, Wegekreuzungen. Wer den Strand verlässt, ist noch längst nicht „durch“. Und wer zu lange am Strand hängt, wird zum Zielkorridor.

Historisch gesehen ist das genau der Punkt: Der D-Day war kein einzelnes „Event“, sondern ein verzahntes System aus Landung, Nachschub, Pionierarbeit, Funk/Koordination und dem schnellen Übergang vom Strandkampf ins Gelände dahinter.
Warum Juno Beach als HLL-Karte funktioniert
Wenn die Karte das ausspielt, was Juno historisch war, bekommst du vermutlich zwei Phasen: Stranddurchbruch (enge Flaschenhälse, Brutalität, Rauch, Pioniere) und danach Bewegungskampf in Ortschaften und Feldern. Das ist praktisch das perfekte Rezept für Hell Let Loose: klare Fronten am Anfang, später Flanken, Rotationen, Logistik.
Lake Balaton: Hitlers letzter Öl-Poker in Ungarn
Der Plattensee (Lake Balaton) klingt nach Urlaub. 1945 war er das Gegenteil. Rund um den See fand im März 1945 die Operation „Frühlingserwachen“ statt: die letzte große deutsche Offensive an der Ostfront. Ziel war es, die sowjetischen Kräfte zurückzudrängen und vor allem eines zu sichern: Öl.

Deutschland war zu diesem Zeitpunkt massiv vom Treibstoff abgeschnitten. Ungarn (und die dortigen Ressourcen sowie die Nähe zu weiteren Fördergebieten) waren strategisch enorm wichtig. „Frühlingserwachen“ war also weniger „wir drehen den Krieg“ und mehr „wir verhindern, dass uns der Motor endgültig stehen bleibt“.
Die Schlacht, die im Schlamm stecken blieb
Die Offensive begann Anfang März 1945 und lief sich innerhalb weniger Tage fest. Ein entscheidender Faktor war das Gelände: Frühjahr, Tauwetter, aufgeweichte Böden, dazu starke sowjetische Verteidigung. Panzer und Fahrzeuge waren zwar da, aber Beweglichkeit und Nachschub waren das Nadelöhr. Als der Angriff scheiterte, konnten die sowjetischen Kräfte ihre eigenen Operationen Richtung Wien fortsetzen.
Balaton ist damit ein Endzeit-Schauplatz: hohe Materialdichte, zermürbende Kämpfe, wenig „glorreiche“ Dynamik, sondern Abnutzung, Logistikstress und das Gefühl, dass die strategische Uhr längst abgelaufen ist.
Warum Balaton spielerisch spannend werden könnte
Wenn Hell Let Loose den Kern von Balaton trifft, dann wird das wahrscheinlich eine Karte für Mechanik-Disziplin: saubere Versorgungswege, Fahrzeuge nicht sinnlos im Morast opfern, Infanterie, die Deckung und Sichtlinien konsequent nutzt. Seenähe, Felder, kleine Ortschaften, Böschungen, Gräben und aufgeweichte Flächen könnten eine sehr eigene Dynamik erzeugen: weniger „Hedgerow-Puzzle“, mehr „Bewegung kostet“.
Seelower Höhen: Die letzte große Verteidigungslinie vor Berlin
Die Seelower Höhen liegen östlich von Berlin, oberhalb des Oderbruchs. Im April 1945 wurden sie zum Schauplatz einer der letzten großen Schlachten auf deutschem Boden: der Schlacht um die Seelower Höhen (16.–19. April 1945). Sie war Teil der sowjetischen Offensive, die direkt zur Einkesselung und Einnahme Berlins führte.

Für die deutsche Seite waren die Höhen so etwas wie das letzte brauchbare Gelände, um den Vormarsch zu bremsen: Erhebung, Sicht, vorbereitete Stellungen. Für die sowjetische Seite war klar: Wer hier durchbricht, hat den Weg nach Berlin offen.
Oderbruch, Flutflächen, Stellungen: Terrain als Waffe
Das Oderbruch ist eine flache, feuchte Landschaft, die im Frühjahr ohnehin schwierig zu befahren ist. Dazu kamen massive Verteidigungsanlagen und ein Gelände, das Angreifer zwang, sich auf wenigen Achsen zu konzentrieren. Genau deshalb waren die Kämpfe so verlustreich: viel Feuerkraft auf engem Raum, wenig Ausweichmöglichkeiten, kaum „unblutige“ Lösungen.
Nach dem Durchbruch war die strategische Konsequenz brutal direkt: Berlin war nicht mehr „in Reichweite“, sondern praktisch der nächste logische Schritt der Offensive.
Warum die Seelower Höhen perfekt zu Hell Let Loose passen
HLL lebt von Karten, die Logistik, Artillerie, Stellungsspiel und Timing belohnen. Seelow ist historisch genau das: vorbereitete Linien, Engstellen, ein Angriff, der ohne Koordination verpufft. Das kann eine Karte werden, die Teams auseinander nimmt, die „einfach nur laufen“ und gleichzeitig Teams belohnt, die Nachschub, Rauch, Flanken und Druckwellen sauber takten.
Fazit: Drei Karten, drei verschiedene Arten von Krieg
Juno Beach ist der ikonische Einstieg: Landung, Durchbruch, Chaos, danach schneller Übergang ins Hinterland. Lake Balaton ist Endphase und Abnutzung: Öl, Schlamm, letztes Aufbäumen. Seelower Höhen sind „letzte Linie vor dem Zentrum“: Stellungskrieg auf dem Sprungbrett nach Berlin.
Wenn Hell Let Loose diese historischen Kerne trifft, dann bekommt die Roadmap nicht nur neue Schauplätze, sondern drei komplett unterschiedliche Spielgefühle. Und das ist am Ende das Einzige, was eine „Roadmap“ wirklich wertvoll macht: nicht mehr Inhalt, sondern bessere Gründe, ihn zu spielen.
Quellen / Hintergrund (optional zum Verlinken oder fürs Fact-Checking)
- Hell Let Loose – Roadmap/Map-Vote (Roadmap-Ankündigung/Dev Brief, inkl. Community-Vote-Kontext). (hellletloose.com)
- Juno Beach Centre (Kanada am D-Day / Juno). (junobeach.org)
- Imperial War Museums – Überblick zu D-Day-Beaches (inkl. Juno & kanadische Ziele, schwierige See/Tide). (Imperial War Museums)
- Veterans Affairs Canada – D-Day & Normandie (kanadische Einordnung). (veterans.gc.ca)
- Operation „Spring Awakening“ / „Frühlingserwachen“ (Zeitraum, Ort, Ziel Öl, Verlauf). (Wikipedia)
- Seelower Höhen – Start der Schlacht um Berlin (Bundesarchiv). (Stasi-Unterlagen-Archiv)
- Gedenkstätte/Museum Seelower Höhen (Einordnung als Erinnerungsort, Schlachtkontext). (museen-brandenburg.de)
- Battle of Berlin (Britannica, übergeordneter Kontext). (Encyclopedia Britannica)